Déjà-vu am Flughafen

… oder ICH – die potenzielle Terroristin.

Wenn muslimische Selbstmordattentäter 72 Jungfrauen im Himmel bekommen, was bekommen dann atheistische Selbstmordattentäterinnen?
Die Frage kam mir in den Sinn, als ich in einer dreckigen „Umkleidekabine“ im Ben-Gurion-Airport in Tel Aviv stand. Gefolgt von der Frage: Sehe ich aus wie eine, die sich mit 350 Leuten in einem A330 in die Luft sprengen würde? Wieso bin immer ich die einzige Frau neben 3-5 jungen Männern, die das Full-Security-Paket, völlig kostenlos und (un)verbindlich bekommt?

Aber von Anfang an. Es begann wie immer, Befragung (was, wie, wo, warum, wie lang … ?), Passport einkassieren, weggehen, wiederkommen, nochmal fragen, “Babberl” auf alles kleben, weiter zum Gepäckscanner. Da ich nur 23kg Klamotten, Schuhe und Handtaschen hatte und meinen Laptop (also alles was Frau von Welt so braucht) hoffte ich auf die Umgehung der nochmaligen „persönlichen“ Durchsicht. Fehlanzeige!
Also nochmal anstellen, warten, in Schlange stehen mit Gleichgesinnten, 23kg auf die Ablage hieven, Koffer öffnen, ruhig daneben stehen, während das „hochmotivierte“ Fräulein 1 meinen Koffer auf Sprengstoffspuren durchsuchte.

Stutzig hätte ich das erste mal werden sollen, also sie ständig zum „Priority Security Check-In“ Schalter schaute und noch mal alles durchwühlte.
Zweiter Anhaltspunkt für den unregelmässigen Ablauf: ich wurde persönlich zum „Priority Security Ceck-In“ Schalter geleitet.
Dritter Punkt: sie haben meine 3kg Übergepäck durchgehen lassen! Für einen Billigflieger wie Air Berlin ein höchst suspektes Verhalten. Aber ich freute mich nur, über meine gesparten 60 Euro (fürs Übergepäck), trauerte über den Abschied meines Freundes und schon gings weiter durch die Handgepäckkontrolle.

Das Fräulein 2 schaute auf meinen Pass und verwies mich auf Kontrolle 1.
Anhaltspunkt vier: Kontrolle eins ist immer schlecht, das erste mal stieg ein Gefühl in mir auf: irgendwas stimmt hier nicht!
Sie durchleuchteten mein Handgepäck und meinen Laptop. Die Security Supervisor kam und schon war es da, das Déjà-vu! Es folge die bereits bekannte Prozedur! Und ich will ehrlich sein, es ist nicht wie beim Sex, das zweite mal machts nicht mehr Spass! Definitiv nicht!
Also: Befragung, was mache ich hier, warum, wieso, weswegen überhaupt, was mein Freund hier macht (zumindest musste ich ihn diesmal nicht verteidigen, was er als Nicht-Jude in Israel macht). Daraufhin meinte sie, mein Laptop wäre auffällig, es müsste alles nochmal gecheckt werden. Also auf mit Geleitschutz zurück zur „persönlichen“ Durchsicht, zu den 3 jungen Männern, die es neben mir auch erwischt hatte. (Frage: Bin ich durch die Statistik gefallen? Brauchten sie eine Frau, weil sich auch Frauen in die Luft sprengen könnten?)

Also wurden ich und mein Handgepäck einer gründlichen! Kontrolle unterzogen.
Alles wurde entleert, die Brillenetuis, das Portemonnaie bis auf die letzten Cent und die Kreditkarten, mein „Frauentäschlein“, dabei war es mir egal, das ER meine OB´s nicht anfassen wollte. Ich war froh dass ich nicht auch noch Glaubersalz bekommen habe, als Abführmittel.
Dann musste ich mich wieder als „Elektronikmarktverkäufer“ abgeben, und der Security zeigen, wo der Blitz an meiner Kamera ist. (Beweisbild unten)
Mein Schirm wurde ausprobiert und kaputt gemacht (ok, ich gebe zu, den braucht man nicht so oft in Israel, daher ist das wohl wie mit Sonnencreme in Deutschland: man vergisst die Bedienhinweise) Also noch „Damage-Report“ ausfüllen und langsam machte ich mir Sorgen um meinen Flug.

Aber weiter gings im Geleit ins Hinterzimmer in die besagte Umkleide zum Komplett-Abtasten. Diesmal durfte ich zwar die Hose anlassen, aber dafür wurden die Haare durchsucht und unter den Füssen abgetastet. In der Zwischenzeit wurde mein Laptop mit allen Kabeln und Ladegeräten kunstvoll und senderempfangsundurchlässig ;-) in einer Kiste verpackt und wurde zum „aufzugebenden“ Gepäck.
Auch der Hinweis, das damit vorsichtig umgegangen und mit einem speziellen Aufzug ins Flugzeug manövriert wird, machte mich nicht zuversichtlicher mein Arbeits-und Broterwerbsgerät heil auch nach meinem Anschlussflug wiederzusehen.

Als letztes wurde ich dann wieder als VIP mit Security direkt zur Passkontrolle abgeschoben.
Das Fräulein 3 entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und verschwand.
Der Brüller kommt ja immer zum Schluss. Eine Amerikanerin, die die Entschuldigung mitgehört hatte, dreht sich um und meinte, in den 10 Jahren, die sie jetzt nach Israel kommt, hat sich noch nie jemand von der Security bei ihr entschuldigt! Ich meinte dann nur: „Ich wurde gerade 2 Stunden durchgecheckt. Seien sie glücklich, dass sich keiner bei ihnen entschuldigt!“

Und was lernen wir aus der Geschichte? Jeder der nach Israel oder zurück fliegt, sollte nur mit den Sachen an seinem Körper fliegen, keine Elektronischen Geräte bei sich haben, optimale Anzahl an israelischen Visa-Stempeln im Pass = 3 mit einem Abstand von 3 Jahren und keinem längeren Aufenthalt von je 1,5 Wochen. Frauen Ende zwanzig sollten nicht allein fliegen, Backpacker sein oder leopardengemusterte Highheals tragen mit Tonnen von Schminke im Gesicht.

Jetzt mal ernsthaft. Auch wenn die Argumentation ist, dass Israel ein höheres Sicherheitsbewusstsein auf Grund der Situation und der Erfahrungen hat. Wieso aber ICH?
Ich arbeite in Deutschland, verbringe meine Urlaube und damit mein hart, mit meinem Laptop, verdientes Geld ins Land, verteidige Israel und seine Politik in Gesprächen mit anderen, auch wenn ich die Politik und das Verhalten in manchen Situationen selbst nicht gut finde. Und das ist der Dank?
Liebe israelische Security! Ich tue euch nix! Ich Freund, nicht Feind! Merkt euch das für die Zukunft! Sonst erkunde ich mich mal, was man als atheistische Selbstmordattentäterin im Himmel so bekommt ;-)

Hand der Security

Beweisbild, mein Fotoapparat ist wirklich einer


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  • Grandios. War bisher nur zwei mal in so einer Kabine in Afrika, die wollten aber immer nur mein Geld haben: “No Money allowed to export, give all to me” – ihr mich auch :-)

    Nur wenn die Jungs betrunken sind und Maschinenpistolen in der Hand haben, wird es ungemütlich.

  • da hatte ich ja noch Glück, was ;-)

  • ich hab ja mal am Airport hier gejobt und weiß, welchen Aufriß die bei der Abfertigung der israelischen Maschinen machen. Daß stets ein Bundespolizist mit durchgeladener Maschinenpistole neben mir stand, daran konnte ich mich noch gewöhnen – obwohls doch recht unangenehm ist. Daß die hübschen israelischen Frauen nicht plaudern wollten, war schad. Daß aber bei all dem Kontrollfanatismus die Verständigung zwischen israelischen Sicherheitsbeamten und deutschen Partnern so schlecht ablief und daher so viele Koffer wieder zurück gehen mußten, war auf Dauer nervig. Falscher Bäbber, oder Bäbber an der falschen Stelle – Koffer zurück. Erneute Kotrolle. Einziger Trost: im Gegensatz zu Urlauberjets dauerte die ElAl-Abfertigung immer Stunden. Also war relativ gemütliches Arbeiten angesagt. Was allerdings widerum zum Plauderversuch mit den eisern schweigenden Ladies aus Israel verführte. Und ohne jeden Erfolg blieb. Doch halt, einmal schien eine der Damen ein Lächeln zu erwidern. Glaube ich jedenfalls.

  • Das mit der unwilligen Kommunikation des israelischen Personals kann ich bestätigen. Ich versuchte immer noch ein paar Witze zu machen, um die Stimmung zu heben, also vor allem meine, aber nix. Ausser bei den “Verhören”, da sind sie kommunikativ. Also lass dich einfach mal von den hübschen israelischen Mädls ausfragen ;-)

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